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In der Nacht, wenn der große Hunger kommt…

Night-Eating-Syndrom: Mehr als eine schlechte Angewohnheit

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=65341

Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung muss nachts aufstehen, um etwas zu essen. Dieses Phänomen ist bisher wenig erforscht, kann aber für die Betroffenen zu einer großen Belastung werden.

Nachts aufstehen, etwas essen und dann wieder schlafen gehen – das macht wahrscheinlich jeder Mensch ab und zu in seinem Leben. Wer jedoch jahrelang fast jede Nacht den Kühlschrank plündert und dabei bis zur Hälfte der Nahrungsmenge zu sich nimmt, die er innerhalb von 24 Stunden üblicherweise verzehrt, leidet am „Night Eating Syndrom“ (NES). Obwohl diese Auffälligkeit im Essverhalten schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Bevölkerung aufweisen, ist sie wissenschaftlich wenig erforscht. Auch steht noch nicht fest, ob es sich um eine psychische Erkrankung, Schlafstörung, eigenständige Essstörungsform oder um eine Variante der „Binge Eating Disorder“ handelt.

Sorgen um Gewicht und Figur
Charakteristisch für das NES ist das wiederholte Essen und Trinken am späten Abend und mitten in der Nacht. Dabei werden in der Regel große Mengen Kohlenhydrate aufgenommen, aber nur wenig Proteine. Morgens haben „Nachtesser“ hingegen keinen Appetit. Zudem haben Nachtesser Ein- sowie Durchschlafprobleme. „Sie wachen auf und können nicht wieder einschlafen, ohne etwas zu sich genommen zu haben“, berichtet die Psychologin Barbara Mühlhans vom Universitätsklinikum Erlangen. Begleitet werden diese Kriterien von Anspannung und schlechter Stimmung am Abend und von Sorgen um Gewicht und Figur. Einige Betroffene leiden darüber hinaus an verminderter Lebensqualität, Stress, Ängsten, Depressionen und Süchten. Auch Übergewicht ist ein häufig anzutreffendes Problem. Allerdings ist es nicht unbedingt eine direkte Folge des nächtlichen Essens, da zwar in der Nacht bis zur Hälfte des Tagesbedarfs, aber in vielen Fällen nicht übermäßig viel Nahrung aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist ein Teil der Nachtesser normalgewichtig und nimmt im Laufe der Jahre auch nicht zu; sind Nachtesser jedoch übergewichtig oder neigen zum Übergewicht, verstärkt das nächtliche Essen diese Problematik. Angesichts der Vielzahl der Schwierigkeiten und Komorbiditäten, die mit dem NES einhergehen, meint die Psychologin Jennifer Lundgren von der Universität Missouri: „Das NES kann sich negativ auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken.“

Die Ursachen sind noch kaum erforscht. Empirische Studien legen jedoch nahe, dass eine genetische Komponente eine Rolle spielt, da das NES familiär gehäuft auftritt. Auch scheinen Hormone mitzuwirken. So produzieren beispielsweise Kerngebiete im Hypothalamus Hormone (zum Beispiel Melatonin), die den zirkadianen Rhythmus steuern. Eine Fehlregulation führt nicht nur zu den genannten Schlafstörungen, sondern auch zu Depressionen. Einer Fallstudie zufolge wirkt sich auch der Level des Hormons Ghrelin auf das Essverhalten aus. Während er bei Nichtbetroffenen nachts niedrig ist, ist er bei Nachtessern erhöht und sorgt für Hungerschübe. Darüber hinaus haben US-amerikanische Psychiater herausgefunden, dass Nachtesser im Vergleich zu stark übergewichtigen Personen und Nichtbetroffenen häufiger von emotionalem Missbrauch und körperlicher Vernachlässigung in der Kindheit berichteten.

Bisher wenig beachtet
Zur Therapie liegen nur wenige Veröffentlichungen vor. In der Regel wird mit Psychopharmaka behandelt, zum Beispiel mit dem SSRI Sertralin, der als Antidepressivum eingesetzt wird. Auch mit dem Anticonvulsant Topiramat, das zur Behandlung der Epilepsie eingesetzt wird, mit Lichttherapie und anderen SSRI wurden bereits Therapieerfolge erzielt; allerdings ist deren therapeutische Wirksamkeit empirisch noch nicht gesichert. Psychologen der Universität South Carolina/USA gelang es zudem, die Symptomatik durch Entspannungsmethoden (Muskelrelaxation) zu reduzieren. Darüber hinaus werden gelegentlich auch Methoden der kognitiv-behavioralen Therapie eingesetzt oder als Selbsthilfemaßnahmen empfohlen. Dazu zählen etwa Nahrungaufnahme aufzeichnen, emotionale Trigger erkennen und vermeiden, körperliche Aktivität steigern, sich Unterstützung suchen und Rückfälle vorhersehen.

Noch wird das NES von Wissenschaftlern und Klinikern wenig beachtet, vermutlich weil es schambesetzt ist, häufig verschwiegen wird und als Erkrankung nicht offiziell anerkannt ist. Bisherige Befunde weisen jedoch darauf hin, dass es sich beim NES um weit mehr als eine schlechte Angewohnheit handelt und viele Menschen davon betroffen sind. Zudem geht es mit Symp-tomen und Komorbiditäten einher, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen können und teilweise behandlungsbedürftig sind. Allein schon aus diesen Gründen wäre eine bessere Erforschung des Syndroms wünschenswert.
Dr. phil. Marion Sonnenmoser

Kontakt:
Jennifer D. Lundgren, University of Missouri-Kansas City, 4825 Troost Avenue, Ste. 124, Kansas City, Missouri 64110-2499 (USA), E-Mail: lundgrenj @umkc.edu
Dipl.-Psych. Barbara Mühlhans, Psychosomatische und Psychotherapeutische Abteilung, Universitätsklinikum Erlangen, Schwabachanlage 6, 91054 Erlangen, E-Mail: Barbara.muehlhans@uk-erlan gen.de

Wie gut, dass ich wenigstens davon verschont geblieben bin… Aber die Betroffenen, von denen ich darüber gehört habe, leiden schon sehr darunter – allein die unterbrochene Nachtruhe zehrt doch sehr an diesen Menschen.

Ein Lösungsweg, der in dem Bericht nicht angesprochen wird, scheint eine Ernährung nach LCHF zu sein. Sobald die Ernährungsumstellung auf LowCarb HighFat einigermaßen verinnerlicht wird (Sättigungsempfinden, echter Hunger, keine Angst vor Fett, Meidung leerer Kohlenhydrate, ausreichende Versorgung mit tierischem Eiweiß) schwindet wohl auch ein Teil des Angst/Schuld/Selbstbestrafungs-Mechanismus. Denn wenn wirklich nach dem persönlichen Hunger gegessen wird, braucht man keine Angst vor Gewichtszunahme zu haben – der Körper hält an einem gesunden Set-Point fest, wenn er Vertrauen in eine regelmäßige und optimale Nährstoffversorgung haben kann. Dann schickt der Körper keinen nächtlichen Hunger, um den nun „willenlosen“ Menschen zur nötigen Nahrungsaufnahme zu nötigen.

Ich werde mir berichten lassen, ob das auch weiterhin funktioniert.

Bantings Essen, Leben und Werk: LCHF (LowCarbHighFat) hat Geschichte

William Banting Letter on Corpulence

http://de.wikipedia.org/wiki/William_Banting

William Banting (* 1797; † 16. März 1878 in London) war ein englischer Bestattungsunternehmer, der das erste bekannte Buch über eine Low-Carb-Diät geschrieben hat, die ihm sein Arzt zur Gewichtsabnahme verordnet hatte. Er war ein entfernter Verwandter von Sir Frederick Grant Banting, dem Nobelpreisträger und Mitentdecker des Insulins. Das Buch mit dem Titel Letter on Corpulence, das 1864 erschien, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und löste Ende des 19. Jahrhunderts eine Diätwelle in Europa aus. Banting wurde im Englischen damals als Synonym für eine Diät machen verwendet; im Schwedischen wurde daraus der offizielle Begriff bantning.

Das ist (mit einigen Modifikationen) der Vorfahr der heutigen Ernährung nach LCHF.

1862 begann Banting, der zu dieser Zeit über 100 Kilogramm wog, mit einer speziellen kohlenhydratarmen Diät, zusammengestellt von dem Londoner Arzt William Harvey. Damit nahm er innerhalb eines Jahres angeblich 23 kg ab. Die Ernährung bestand vor allem aus Fleisch. Das Frühstück bestand zum Beispiel aus 400 bis 500 Gramm RindfleischHammel, Nieren oder Speck und einer Tasse ungesüßtem Tee. Mittags gab es 500 bis 600 Gramm Fisch, dazu Gemüse und Rotwein, abends dann 300 bis 400 Gramm Fleisch oder Fisch und dazu SherryGin oder Whisky.[1]

Bei LCHF wird Alkohol nur in Maßen genossen, in der Abnehmphase eher gar nicht, dafür sind alle vollfetten und kohlenhydratarmen Milchprodukte erlaubt, sofern sie gut vertragen werden.